Die magische Villa Fogazzaro Roi in Oria

Wer am Ufer des tiefblauen Ceresio (dem Luganer See) entlangfährt, ahnt oft nicht, welche literarischen Schätze sich in den kleinen, verschlafenen Steindörfern der Valsolda verbergen. Eines dieser Juwelen ist Oria, ein winziger Ort direkt an der italienisch-schweizerischen Grenze. Hier schmiegt sich ein Haus an den Fels, das wie kaum ein anderes die Seele der italienischen Spätromantik atmet: die Villa Fogazzaro Roi.

An diesem verwunschenen Ort verbrachte der große italienische Schriftsteller Antonio Fogazzaro (1842–1911) weite Teile seines Lebens. Die Villa war für ihn kein bloßer Rückzugsort, sondern die intimste Quelle seiner Inspiration.

Der Schriftsteller und sein Zufluchtsort am See

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Antonio Fogazzaro, einer der bedeutendsten Vertreter des italienischen Realismus (Verismo) und der späten Romantik, wuchs in Vicenza auf, verlor sein Herz jedoch schon früh an die wilde, melancholische Schönheit des Luganersees. Die Villa in Oria stammte mütterlicherseits aus dem Besitz seiner Familie.

Hier, im sanften Plätschern des Wassers und im Schatten der steilen Berghänge, fand Fogazzaro die Ruhe, um seine tiefgründigen Romane zu verfassen. Seine Werke sind geprägt vom inneren Konflikt zwischen religiösem Glauben und wissenschaftlichem Fortschritt (er war ein früher Anhänger der Evolutionstheorie Darwins in Italien), sowie von leidenschaftlicher, oft unerreichbarer Liebe.

Dieses tiefe Gefühl der Sehnsucht spürt man bis heute, wenn man auf den schmalen Terrassen der Villa steht und den Blick über den glitzernden See schweifen lässt:

Weit weg vom Trubel der Welt lässt sich hier die Seele baumeln:


Das Meisterwerk: „Piccolo mondo antico“


Es ist unmöglich, die Villa Fogazzaro Roi zu besuchen, ohne an sein berühmtestes Werk zu denken: „Piccolo mondo antico“ (dt. Kleine altmodische Welt), veröffentlicht im Jahr 1895. Der Roman spielt vor dem Hintergrund des italienischen Risorgimento (den Unabhängigkeitskriegen gegen Österreich) genau hier, in den engen Gassen von Oria und in den Zimmern dieser Villa.


Die Figuren des Buches erwachen beim Rundgang förmlich zum Leben. Es ist, als hätte Franco Maironi, der sensible und tiefgläubige Protagonist des Romans, gerade erst das Zimmer verlassen.


Ein Rundgang durch ein lebendiges Museum


Dass die Villa heute in diesem makellosen, bewohnten Zustand besichtigt werden kann, verdanken wir dem Urenkel des Dichters, dem Marquis Giuseppe Roi. Er bewahrte das Erbe seines Urgroßvaters mit unendlicher Liebe zum Detail und vermachte das Haus schließlich dem FAI (Fondo Ambiente Italiano), der die Villa heute als lebendiges Museum führt.

Schon beim Betreten des Hauses umfängt einen der Duft von altem Holz, Wachs und getrockneten Blumen. Jedes Zimmer erzählt eine eigene Geschichte.

Der Duft von Zitronen und alte Handschriften


Der Rundgang beginnt oft im intimen Innenhof der Villa, wo ein prächtiger Zitronenbaum im Terrakottatopf gedeiht und die Guides des FAI die Besucher mit Anekdoten und originalen Notizen des Autors in die Vergangenheit entführen.


Das Musikzimmer und der Salon


Das Herzstück des Hauses ist das Musikzimmer. Hier steht noch immer das originale Tafelklavier, auf dem einst gespielt wurde, umgeben von vergilbten Notenblättern, alten Familienfotografien und den Kerzenständern, die abends ein warmes Licht auf die Tasten warfen.


Die Wohnräume sind mit edlen, dunklen Holzmöbeln ausgestattet, deren Schränke mit kunstvollen, gemusterten Stoffbespannungen versehen sind – ein typisches Zeugnis des bürgerlichen Geschmacks des späten 19. Jahrhunderts.


Die privaten Gemächer

Im Schlafzimmer des Dichters fühlt man sich vollends als Gast einer längst vergangenen Epoche. Das filigrane Bett mit seiner floralen Decke und die religiösen Bilder an den Wänden zeugen von Fogazzaros tiefer, oft von Zweifeln geplagter Spiritualität.


Ein Ort zum Verweilen


Nachdem man durch die geschichtsträchtigen Räume gewandelt ist, zieht es jeden Besucher unweigerlich nach draußen. Die hängenden Gärten und kleinen Balkone der Villa bieten intime Rückzugsorte, die perfekt geeignet sind, um in einem der Romane Fogazzaros zu blättern oder einfach den sanften Wind zu spüren, der vom See heraufweht.


Die Villa Fogazzaro Roi ist ein Ort, an dem die Zeit im Jahr 1900 stehen geblieben zu sein scheint – getragen vom sanften Rauschen des Sees, dem Duft der Valsolda und dem unvergänglichen Geist eines großen Literaten. Wer den Luganer See von seiner romantischsten und stillsten Seite kennenlernen möchte, für den ist dieser magische Ort in Oria ein absolutes Muss.

zur Website der Villa Fogazzaro

Auf der Suche nach den Gesetzen des Glücks

Was passiert, wenn man das vertraute Paradies verlässt, um in einer fremden Stadt das Glück neu zu definieren? In seinem neuesten Werk wagt der Bestsellerautor Stefan Maiwald einen Selbstversuch in der vibrierenden Kaffee-Metropole Triest. Es ist eine literarische Reportage über die Kunst der „Anderszeit“, die Geheimnisse der italianità und die Frage, warum ein einfacher Espresso im Stehen manchmal die Welt klären kann.

Reisen bedeutet oft, eine Auszeit zu suchen – doch Maiwald plädiert für die Anderszeit. Er nimmt uns mit von seiner vertrauten Wahlheimat Grado hinein in die prachtvollen Paläste und traditionsreichen Kaffeehäuser von Triest. Zwischen literarischem Erbe und dem modernen Alltag der Hafenstadt erforscht er, wie ein kleiner Perspektivenwechsel ausreicht, um das Leben klarer zu sehen und „Zeitdiebe“ zu entlarven. Für mich mit den Webauftritten Cafe.reisen sowie Kaffee.reisen ist diese Erzählung mehr als nur ein Reisebericht; es ist eine Hommage an die Kaffeekultur als Spiegel der menschlichen Seele.

Der Autor stellt sich dabei der Frage, ob die Glücksprinzipien auch in einem völlig neuen Umfeld bestehen. Er zieht für einige Wochen nach Triest – eine Stadt, die durch ihre Mischung aus italienischem Flair und österreichisch-ungarischer Geschichte eine ganz eigene Faszination ausübt. Statt das Leben komplett umzukrempeln, zeigt er, dass ein temporärer Ortswechsel hilft, die Routine zu durchbrechen und eine neue Grundzufriedenheit zu finden. Glück bedeutet hier oft das Weglassen von Dingen, die belasten, und das bewusste Erleben der „kleinen Komödien des Alltags“.

Besonders spannend für alle Kaffeeliebhaber sind die Einblicke in die italienische Bar-Etikette – vom „Nero“ (dem typischen Triestiner Espresso) bis hin zum richtigen „Capo“. Das Buch zeigt auf charmante Weise, wie das Café zum Ort der Begegnung und der Inspiration wird.

Unter Café leben habe ich auf Cafereisen das Leben in einem Café betrachtet. 

Ich bin gespannt, welche Eindrücke mir das Buch noch bietet

Hier geht’s zur Presseinformation:

Ich habe dieses Buch gelesen. Es spielt in Triest, der wahren Hauptstadt des Kaffees. Einst ist  Triest Zentrum des Kaffeehandels gewesen. Der Weg über das Meer günstig, so hat sich der Hafen rasch rentiert. Die Habsburger investierten in eine Freihandelszone. Stefan Maiwald ist jeden Tag ins Antico Caffè San Marco gegangen. Ein Ort, wo viele Schriftsteller, insbesondere Claudio Magris ihre Bücher verfasst haben. Das Buch hat mir gut gefallen. Einerseits habe ich viel zur italienischen Lebensart gelernt, andererseits auch meine Einstellung zum Leben hinterfragen können.

Ständige Reise – Das Leben von Rainer Maria Rilke

Für einen der bedeutendsten Lyriker der Moderne war das Leben eine einzige, unaufhörliche Reise. Rainer Maria Rilke (1875–1926) hatte kein festes Zuhause, sondern nur temporäre Quartiere.

Der Prototyp des reisenden Geistes war Rilke. Denn sein Schaffen war untrennbar mit den Orten verbunden, an denen er verweilte. Wer seine Werke wirklich nachempfinden oder gar erleben möchte, muss ihm folgen: von den urbanen Zentren Europas bis zu seinem letzten, unscheinbaren Rückzugsort im Schweizer Wallis.

Europa als Werkstatt der Poesie

Rilkes biografische Landkarte stellt ein faszinierendes Gewebe aus Metropolen dar, deren Spuren sich in seinem Werk niederschlugen. Der in Prag geborene Dichter durchstreifte Europa auf der Suche nach Inspiration und innerer Einkehr. Wien und Berlin dienten ihm als akademische und literarische Stationen seiner frühen Jahre.

Paris wurde zu seiner Schule der Moderne. Als Sekretär von Auguste Rodin und Verfasser der «Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge» lernte er die Großstadt in ihrer Schönheit und ihrem Schrecken kennen. Paris inspirierte seine tiefgründige Auseinandersetzung mit der Existenz, der Urbanisierung, der Einsamkeit und dem Tod.

Das Leben dieses ewigen Wanderers hat der Sender Arte eindrucksvoll dokumentiert. Um sich auf die Spuren Rilkes zu begeben, bietet diese Dokumentation eine hervorragende erste Orientierung:

Die Stille des Wallis: Das Wunder von Muzot

In der Abgeschiedenheit des Kanton Wallis fand Rilke nach Jahren des unsteten Wanderns seinen letzten und produktivsten Zuflucht. Ab 1921 lebte er im Château de Muzot bei Sierre. Die Schweizer Bergwelt vermöchte ihm jene Klarheit und Ruhe zu vermitteln, die er zur Vollendung seiner letzten gewichtigen Schöpfungen benötigte.

Hier gelang ihm innerhalb weniger Wochen der berühmte «schöpferische Fluss», die Fertigstellung der «Duineser Elegien» und der «Sonette an Orpheus» – sein letztes großes Werk. Sein Leben endete am 29. Dezember 1926 an den Folgen von Leukämie in einem Sanatorium bei Montreux amGenfersee.

Die letzte Ruhestätte: Raron als Geheimtipp

Rilkes Wunsch war es, in der Nähe seines letzten Wohnortes beigesetzt zu werden. So fand er seine letzte Ruhe auf dem Bergfriedhof im kleinen Dorf Raron im Wallis. Hoch über dem Tal, neben der Burgkirche St. Romanus, liegt sein schlichtes Grab. Es ist ein Andenken an seine Elegien, die er im Wallis zügig niedergeschrieben hatte. 

Auch seine Gedichtszeilen „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“ setzen sich in einer musikalischen Vertonung frei, die auch ich hinsichtlich einer Auseinandersetzung mit Lebensfragen wiedergab. Dieses Lied habe ich während meines Besuchs in Raron an Rilkes Grab singen dürfen:

Tatsächlich hat sich Raron auch mir gegenüber als Geheimtipp ergeben und als wundervoller Ort, um die meditative Stimmung von Rilkes späten Werken einzufangen. Der Grabstein trägt den selbst verfassten, weltberühmten Grabspruch, den wohl jeder Besucher andächtig liest:

Rose, oh reiner Widerspruch, Lust, Niemandes Schlaf zu sein unter soviel Lidern.

An einem sonnigen Tag habe ich das Wallis besucht und ein paar Eindrücke mitgenommen. Die wunderbare Landschaft und Gespräche über den Dichter sind sehr bereichernd.

Rainer Maria Rilkes Spurensuche findet sich auch in den grossen Metropolen. Noch heute werden dort seine Gedanken und Werke zitiert. Aber das unscheinbare Dorf Raron im Wallis ist ein Ankerplatz für die Gedanken. Öfters als gedacht, lohnt es sich, jene kleine Orte zu entdecken, die mit Poeten in Verbindung stehen.
Für wahr eröffnet solches Reisen literarische Erfahrungen!

Auf literarischen Spuren – Hermann Hesse und Calw

Die idyllische Stadt Calw im nördlichen Schwarzwald hat sich ihrem berühmtesten Sohn voll und ganz verschrieben: Hermann Hesse. Der Literaturnobelpreisträger von 1946, bekannt für Werke wie Demian, Der Steppenwolf und Siddhartha, wurde hier 1877 geboren und verbrachte seine Kindheit in der engen Altstadt, deren Fachwerkhäuser und Gassen bis heute einen besonderen Zauber ausstrahlen.

Ein historischer Streifzug durch Calw führt unweigerlich zu zahlreichen Stationen aus Hesses Leben. Das Geburtshaus in der Altburger Straße etwa ist Teil des Hermann-Hesse-Museums, das jedoch bei meinem letzten Besuch gerade umfangreich renoviert wurde – was dem Erlebnis jedoch keinen Abbruch tat. Denn Hesse ist allgegenwärtig in Calw: Infotafeln, Zitate und Kunstinstallationen begleiten einen durch die Stadt. In der Fußgängerzone begegnet man der Bronzeplastik des Dichters, in Cafés blättert man ganz selbstverständlich durch seine Bücher, und selbst die Stadtführungen sind oft nach Hesse benannt.

Ein literarisches Highlight ist der Gerbersauer Lesesommer, benannt nach Hesses fiktivem Ort „Gerbersau“, der deutlich an Calw erinnert. In stimmungsvollen Lesungen – oft musikalisch umrahmt – werden Hesses Texte lebendig. Die Atmosphäre reicht dabei von lauschig-romantisch bis nachdenklich-modern. Gerade weil sein Stil so zeitlos ist: introspektiv, tiefgründig, von spiritueller Suche geprägt, dabei oft kritisch gegenüber Gesellschaft und Konventionen – bleibt Hesse auch heute aktuell.

Calw gelingt es, das literarische Erbe nicht museal zu verstecken, sondern es als Teil des alltäglichen Stadtlebens zu feiern. Wer Hesse begegnen möchte – in Gedanken oder beim Spaziergang – wird in hier in Calw fündig. Literatur wird hier nicht nur bewahrt, sondern wirklich gelebt. Ein Ort für all jene, die dem Zauber von Sprache, Geschichte und schwarzwälderischer Poesie nachspüren möchten.

Ich habe mich in Calw wohlgefühlt und in der Gastwirtschaft Zum Alten Calwer gut gegessen. Calw bietet mit Hermann Hesse einen wunderbaren Anreiz, den Ort zu erleben.

Eine sehr schöne Tourismus Information mit freundlicher Beratung befindet sich im Rathaus gegenüber des Geburtshauses von Hermann Hesse.

Tourist-Information
Badstraße 1
D-75365 Calw

+49 7051 167333
tourismus@calw.de 

Webseite Calw Tourismus

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Friedrich Schiller – hoch honoriert

Friedrich Schiller führte ein bewegtes Leben. Nicht zuletzt als Flüchtling, da seine Literatur als zu kritisierend und unbequem galt. In Weimar fand er schließlich seine Heimat und ein Umfeld, das ihn förderte. Das Schillerhaus, sein damaliges Wohnhaus, ist heute ein Museum, das Einblick in seine Lebensumstände gewährt. Möbel, Gemälde und persönliche Gegenstände lassen die Besucher in die Zeit des großen Dichters und Dramatikers eintauchen.

Neben dem Einblick in Schillers Alltag wird im Schillerhaus, in dem er lebte, auch seiner Schaffenskraft gewürdigt. Hier entstanden viele seiner berühmten Werke, die heute zu den Klassikern der deutschen Literatur zählen. Besonders eindrucksvoll ist auch der historische Kontext des Hauses, denn damals galt es als wahre Kostbarkeit, das sich damals nur äusserst wohlhabende Menschen leisten konnten. Der Kaufpreis entsprach dem 200-fachen eines damals gewöhnlichen Arbeiterlohns. Schiller musste dafür einen Kredit aufnehmen, doch seine Popularität und sein Verdienst entsprachen dem Status eines heutigen Superstars. Schon damals zeigte sich, dass Ruhm sehr hoch honoriert wird.

Mich persönlich hat das Schillerhaus sehr beeindruckt. Besonders fesselnd; im Neubau finden regelmäßig attraktive Sonderausstellungen statt, die Schillers Erbe lebendig halten. Weimar ist eine Stadt, die sich zu Fuß leicht erkunden lässt, und das Schillerhaus liegt inmitten vieler weiterer Sehenswürdigkeiten.

Wer sich für Literatur, Geschichte und das Leben eines der bedeutendsten deutschen Dichter interessiert, sollte das Schillerhaus unbedingt besuchen.

Schillerhaus Weimar
Schillerstraße 12
D-99423 Weimar

Webseite zum Schillerhaus

Eine italienisch kulinarische Reise

Unterwegs mit einem Fiat durch Italien

Ein junger Mann mit vielen schönen Erinnerungen an Italien unternimmt einen Roadtrip. In Sizilien kauft er sich einen alten Cinquecento und erfährt Italien. Auf dem Weg trifft er die Italiener und sammelt Kochrezepte. 

Das Buch weckt Lust auf eine Italienreise und mediterrane Kulinarik. Ich selbst will einen Likör mixen, und in meiner Schublade warten so viele Tipps für feines italienisches Essen. Auch die Idee vom Café Sospeso möchte ich bei jeder Gelegenheit fördern.

Mehr als kurzfristige Freude soll Reisen bereiten. Wichtige Bestandteile darin betonen Zeit, Begegnungen mit Einheimischen, Berührung mit der Natur und köstliches Essen. 

«Meine italienische Reise» 
von Marco Maurer
erschienen im Prestel Verlag, München

Webseite des Autors;

Zugreisender Jaroslav Rudis

Die Schweizer sind begeisterte Zugfahrer. Mit der SBB verfügt das Land über ein dichtes Bahnnetz, die Züge sind pünktlich.

Jaroslav Rudis liebt es mit der Bahn zu reisen. Von Süditalien zum Nordkap, von der Atlantikküste nach Warschau. Seine liebste Strecke ist die von Prag nach Berlin, an beiden Orten ist er zuhaus. Meist versucht er den Zug zu nehmen, worin sein Lieblingskellner im Speisewagen wartet und ihm ein frisches Bier zapft.

Das Aargauer Literaturhaus hatte eine Lesung mit Jaroslav Rudis organisiert und zwei weitere Bahnexperten eingeladen. Sie diskutierten über die Fahrt mit dem Zug, die bewegte Geschichte und Einflüsse, welcher der Zug auf Land und Leute hat.

Jaroslav Rudis las aus seinem neuen Buch, «eine Situation in Finnland». Nur ein wenig. Schliesslich teilten mit ihm Bahnexperten das Podium und im Publikum Bahnfreunde den Saal. Das Lesen dieses Buches lohnt sich für jeden Bahnfreund.

Vom Publikum tauchten Fragen zu Nachtzügen auf, auch über die Londoner U-Bahn; ich empfahl die Strecke von Kosice nach Mukachevo. Wie lange noch bleibt dort das Andenken an die Sowjetunion konserviert?
Beitrag auf Slowakei Reisen

Insgesamt war es ein gelungener Abend. Ich schenkte dem Autor drei Lieder von mir über «den einen Zug». Vielleicht hätte ich den Mut aufbringen sollen, zum Abschluss ein Lied zu spielen. Sollte eine passende Gelegenheit auftauchen, frage ich dazu zukünftig Veranstalter vorher an.

Nach der Lesung konnten die Teilnehmenden das neuste Buch von Jaroslav Rudis erwerben und sogar signieren lassen.
Verlagsseite vom Buch Gebrauchsanweisung für Zugreisen

Hier der Link zum Aargauer Literaturhaus. Der Verein freut sich über Gönner, welche ihre Arbeit unterstützen. Die Veranstaltungen finden im historischen Müllerhaus in Lenzburg statt.
Link zum Aargauer Literaturhaus

Herta Müller in der Langmatt

An meinen Wohnort Baden ist die «Langmatt», ein schönes Museum mit ständig wechselnden Ausstellungen. Das ehemalige Wohnhaus der Familie Brown beherbergt zahlreiche Impressionisten, vor allen Auguste Renoir. Es ist ein schöner Ort mit wechselnden Ausstellungen, davor ein grosszügiger Park und Selbstbedienungscafé.

An einem Oktobertag dieses Jahres habe ich eine Ausstellung der Collagen von Herta Müller besucht. Sie zeichnete die Geschichte der Verhöre autobiografisch auf, und arbeitete sie nach Möglichkeit zu jener Zeit hiermit auf.

Als die späteren Rumäniendeutschen einst aussiedelten, studierte ich in Nürnberg und wurde mit den Problemen dieser Menschen konfrontiert. Indes versprachen sie sich mehr Freiheit, Rechte und Entfaltungsmöglichkeiten.

Herta Müller erhielt 2009 den Literaturnobelpreis, weil sie in einer besonderen Weise Probleme mit Collagen und starken Wörtern behandelte. Die Wörter sind aus verschiedenen Publikationen ausgeschnitten und teilweise auch zusammengesetzt.
Seit 30 Jahren verfasste die Schriftstellerin mehr als 1600 Unikate.

In der Ausstellung im Oktober 2021 in Baden wird eine Werkserie mit 140 Karten gezeigt, welche die Einreise nach Deutschland reflektieren.

Zur Ausstellung ist ein Buch im Carl Hanser Verlag, München erschienen: Herta Müller, «Der Beamte sagte»;

Verkaufstisch

Die Schriftstellerin hat der Ausstellungseröffnung in Baden beigewohnt.
Es können Postkarten erworben werden.

Museum Langmatt
Römerstr. 30
CH-5401 Baden

+41 56 200 86 70
info@langmatt.ch
langmatt.ch

Friedrich Klopstock, Begründer deutscher Sprache?

An der Stadtführung passierten wir das Museum von Friedrich Klopstock. Der Reiseführer «bereicherte» Friedrich den Grossen mit dem Zitat «nicht mal ein Pferd spricht Deutsch». Einen Beweis dafür gibt es nicht, doch am Hofe und in der Verwaltung wurde Französisch gesprochen.

Friedrich Klopstock verlieh der deutschen Sprache wesentliche Impulse, manche sehen ihn gar als dessen Begründer. Er verwirklichte mit dem «Messias» ein Meisterwerk mit 20’000 Versen und stand mit Johann Wolfgang von Goethe in Kontakt. Quedlinburg gedenkt seines grossen Dichters mit einem Museum. Als der Dichter in Hamburg gestorben war, führte dies zu einer enormen Anteilnahme.

Dennoch kenne ich aus meiner Schulzeit keinen Friedrich Klopstock, verfasste er doch als einer der ersten Dichter seine Werke auf Deutsch. Nun besuchte ich dieses Museum erst Jahre später, welches die Werke und Schriftstücke Friedrich Klopstocks bekundet. Wer Literatur mag würde ebenso staunen, wie ich es tat. Beeindruckend auch die Möbelstücke und das Fachwerkhaus, durchweg daran erinnernd, wie das Leben im 18. Jahrhundert war.

Für alle ein «Bijou», die sich gerne mit Literatur beschäftigen;

Als Unesco Welterbe mit zahlreichen Fachwerkhäusern ist Quedlinburg immer eine Reise wert. Ferner liegt in dessen Nähe der Harz.

Klopstockhaus
Schlossberg 12
D-06484 Quedlinburg

+ 49 3946 905-681
museen@quedlinburg.de

Adolf Muschg – Schriftsteller als Spätzünder

Das Titelbild zeigt ihn auf dem Poetenfest Erlangen.

Ich habe bereits den Schriftstellerweg in Olten porträtiert. Adolf Muschg hat sich am Anlass ebenfalls beteiligt. Die «Gruppe Olten» hat sich aufgrund der Fichenaffäre (Bespitzelung von 900’000 Schweizern) vom Schriftstellerverband abgespalten und konsequent die Feiern zu 700 Jahre Eidgenossenschaft boykottiert.

Am Zürcher Filmfestival bin ich seinem Film begegnet, – ein Grund mehr für einen Beitrag zu Alfred Muschg. Der Film erzählt seine Lebensgeschichte. Besonders prägte ihn Japan, seine Halbschwester veröffentlichte dort auch ein Kinderbuch. Adolf hat sich in seinen späteren Jahren als Ständerat aufstellen lassen. Er war lange Professor für Literatur an der ETH Zürich. Diese technische Hochschule von Weltruf entwickelt Ingenieure mit Literaturverständnis weiter.

Noch später amtet er als Präsident der Akademie für Künste in Berlin. Er lebt heute noch in Berlin und Männedorf bei Zürich. Doch seinen Lebenslauf kleidet die Beiwohnung noch reichlich weiterer Akademien.
Nachzulesen auf; wikipedia.org

Der Autor Adolf Muschg denkt heute über die Zukunft nach und tritt trotz seines hohen Alters immer wieder in Gesprächsrunden an. Ich erinnere mich gerne an das Interview zum bedingungslosen Grundeinkommen.

Link zu meinem Lied Bedingungslos

Er ist auch im Alter ein sehr aktiver Autor. Für mich ein Vorbild, eine inspirierende Herausforderung nach seinem Leben zu leben. Sein neuestes Buch heisst «Aberleben», wodurch er sich mit dem Tod auseinandersetzt. Wir verweisen hier auf die Webseite vom Beck Verlag, an welcher Stelle die meisten seiner Bücher erschienen sind. Auf der Suche werden auch Werke zum Mutterschaftsgesetz (MuSchG) angezeigt. Dieses Gesetz hat einen langen Weg in der Schweiz zurücklegen müssen.
Verlagsseite vom Verlag Beck

Foto der Eröffnung des Schriftstellerweges in Olten