Ich versuche für Frieder Monzer Lesungen in Buchhandlungen zu organisieren. Anfangs dachte ich, «da könnte ich zumindest die Reisekosten decken.» Die Autorengewerkschaft schwärmte sogar von guten Honoraren, die ausgehandelt werden sollten. Denn die Leute kommen wegen des Autors.
«Pustekuchen,» ich bekomme weder einen Termin noch werden viele Lesungen angeboten, und oft enden diese im Desaster.
Was ist das für eine Gesellschaft, die im hohen Konsum eingenullt zu sein scheint? Da gibt es fabelhafte Angebote, und selbst wenn eine Veranstaltung zustande kommt, erscheint kaum jemand. Höchstens dann, wenn ein Verkaufsschlager vorgestellt wird. Eben ein Autor, den jeder sehen möchte. Da wird auch gerne Eintritt bezahlt. Stolz wird dann oft behauptet: «Ich habe Sahra Wagenknecht getroffen, aus der Ferne gesehen.» Kein Wort miteinander gesprochen, das spiegelt die Realität. Was bedeutet da «getroffen»? Fast nur das Drumherum zählt.
Wenn nun Frieder Monzer ein Buch über das Erzgebirge vorstellen möchte, kommen im besten Fall 20 Besucher, und jeder im Publikum erhält dabei Informationen aus erster Hand. «Durchhalten» lautet hierzu die Parole. Denn Kunst sollte Leidenschaft ausmachen und daher auf reine Absatzförderung pfeifen. «Wir schreiben, weil es uns Spaß bereitet und in erster Linie für uns. Die Vermarktung kommt später; jedem Künstler dürfte wohl klar sein, dass er sich in unserer Gesellschaft auf einen schweren Weg begibt.

